Krisenmanagement für die Beziehung
Eva-Maria Zurhorst schreibt in Focus : 30 Thesen zur überwindung von Partnerschaftsproblemen
Zehn Wege aus der Beziehungsfalle
1 Man muss nur den Richtigen heiraten
Es ist egal, wen Sie heiraten. Am Ende treffen Sie sowieso immer nur auf sich selbst. So ernüchternd un unromantisch es klingt : Egal, wem Sie begegnen, Sie nehmen sich mit: Der andere ist immer nur eine Art Leinwand, auf der Sie auf Ihre eigene Fähigkeit zu lieben, nach einiger Zeit und Gewohnheit aber vor allem auf Ihre eigenen Bedürfnisse und verdrängten Verletzungentreffen. Wenn Sie also in Sachen Partnerschaft wirklich vorankommen wollen, dann ist die Beziehung, die Sie gerade haben, die beste, die Sie kriegen können (Auch die, in der es gerade eher zäh ist).
2 Beim nächsten Partner wird alles anders
Trennung und Partnerwechsel sind selten die Lösung, meist eher ihre Vertagung: Ungefähr so wie der Versuch, den Platz samt Gegner zu wechseln, wenn s beim Tennismatch schlecht läuft, weil unsere Vorhand ständig ins Netz geht. Für einen Moment sorgt so ein Schritt vielleicht für Abwechslung oder Erleichterung. Aber wenn Sie Ihr Spiel wirklich verbessern wollen, dann kommen Sie nicht umhin, Ihren Schlag umzutrainieren und die Spieltaktik oder den Abstand zum Ball zu verändern: Deshalb sind auch so viele Scheidungen überflüssig. Sie sorgen meist dafür, dass wir uns von Auslöser trennen, nicht aber vom eigentlichen Problem. Wer nach einer Trennung nichts an sich ändert, den holt nicht selten beim nächsten Partner das ganze Dilemma wieder ein.
3. Mein Partner ist Schuld
Wichtigste Grundregel in Sachen Liebe dich selbst : Für Ihr Glück ist nur einer verantwortlich ; Sie selbst ! Hört sich an wie Hausfrauenpsychologie. Ist aber, in der Tiefe wirklich verstanden, der Schlüssel in Sachen Beziehung überhaupt. Nur in dem Maße, in dem ich mich selbst akzeptiere, kann ich überhaupt die Liebe von einem anderen annehmen: Wenn ein anderer mich dauerhaft schlecht behandelt, dann weil ich mich selbst nicht wertschätze. Und wenn es in der Beziehung immer wieder kracht, dann geht es nicht darum, den Partner zu verändern oder bei ihm die Schuld zu suchen, sondern darum, den Blick völlig auf mich zu richten und mein eigenes Leben zu verändern.
4 Ich muss die Beziehung retten
In ihrer Beziehung scheint es gerade ziemlich ausweglos ? Vergessen Sie alle Beziehungsrettungsmaßnahmen, und kümmern Sie sich auch hier um sich selbst: Denn ihre Beziehung ändert sich von ganz allein, wenn Sie ihr Leben verändern. Der Zustand ihrer Beziehung spiegelt ihnen lediglich ihren Umgag mit ihrem Leben wider. Das ist einer der radikalsten Punkte in Sachen Liebe dich selbst : Wenn Sie wollen, dass sich ihre Beziehung ändert, dann müssen Sie ihr Leben ändern. Wenn Sie weiterhin arbeiten wie bisher, sich weiterhin mit unzähligen Verpflichtungen vollladen, wenn Sie weiter alles Mögliche wegdrängen und starr ihren alten Mustern folgen, wenn Sie sich lieber ablenken oder kompensieren wie bisher : Dann bleibt auch alles wie bisher.
5 Ich brauche einen Kick
Wenn Ihre Partnerschaft sich zäh und leer anfühlt, dann brauchen Sie keinen Kick. Sie brauchen Mut. Mut, sich endlich ehrlich zu fragen : Hab ich Lust auf diesen Trott ? Will ich mich um der Sicherheit oder des lieben Friedens willen einpassen ? Ist meine Karriere wirklich wichtiger als alles andere ? Überall dort, wo Sie sich nach einem Kick sehnen, geht es in Wahrheit darum, die eingefahrenen Bahnen zu überprüfen. Und dann braucht es Mut : Bin ich bereit, von meinem Sicherheitsdenken etwas loszulassen und aus der angenehmen, aber toten Komfortzone austreten ? Wenn Sie es dann tatsächlich wagen, für ihre Bedürfnisse ein Risiko einzugehen, wird ihr Leben sofort wieder lebendig - ganz ohne jeden Kick von außen
6 Ich muss meinen Partner schonen
Wenn Sie ihren Partner schonen, schonen Sie in Wahrheit nur sich selbst. Tatsächlich haben Sie Angst, den anderen mit sich zu konfrontieren. Die meisten Beziehungen scheitern nicht an Schlachten und handfesten Grabenkämpfen. Die meisten Beziehungen bluten langsam aus, weil sich die Partner ständig zu sehr schonen.Weil sich beide im Lauf der Zeit zurücknehmen und sich im Zusammensein aus Angst vor Streit, Liebesentzug oder Verlassenwerden aufgeben. Mit der Zeit beginnen sie dann meist unbewusst, Schonhaltungen rund um die heiklen Punkte, an denen es schwierig werden könnte, einzunehmen. Äusserlich scheint es dann zwar alles ganz intakt zu sein, aber innerlich fühlt es sich kraftlos und erstarrt an. Also lieber rechtzeitig Grenzen setzen und nein sagen. Das ist für die Liebe absolut überlebenswichtig.
7 Ich brauche Harmonie
Das ist eine der liebsten Männerausreden, um sich nicht tiefer einlassen zu müssen. Aber wer Gefühle wegdrückt, schadet sich selbst. Denn wer auf Dauer versucht, alle negativen Gefühle unter einem Mantel der Harmonie zu verstecken, muss sich ständig kontrollieren und ist irgendwann wie eine Bombe: Nur wer lernt, auch mit seiner Wut, mit Ohnmacht und Angst umzugehen, der kann all die anderen angenehmen Gefühle wie Leidenschaft und Ausgelassenheit leben. In unserem Inneren gibt es keine separaten Räume für gute und schlechte Gefühle. Sorry - aber Deckel auf der Wut heisst auch Deckel auf der Leidenschaft. Also lieber Deckel runter.
8 Die Wahrheit kann verletzend sein
Stimmt. Aber die Wahrheit ist das Einzige, was heilt. Die Wahrheit ist der Wendepunkt auf dem Weg aus der grauen Alltagsroutine in eine lebendige und erfüllende Beziehung. Sie muss auf den Tisch. Dass Geheimnisse den Zauber einer Beziehung ausmachen, hört sich vielleicht romantisch an, ist aber völlig praxisuntauglich. In Wahrheit steht alles was unausgesprochen bleibt oder gar verheimlicht wird, wie eine unsichtbare Wand zwischen Ihnen und Ihrem Partner. Sie haben um des lieben Friedens willen ein wenig geschwiegen und den kleinen Flirt verheimlicht ? Oder sie haben eine Leiche im Keller und führen seit längerer Zeit ein Doppelleben zwischen Familie und Geliebter ? Leider funktioniert die Beziehungsregel in Sachen Wahrheit fast wie Mathematik : verschweigen = Distanz. Viel verschweigen = viel Distanz, Je mehr Sie verheimlichen, umso erstarrter und tauber ist jede Begegnung. Am Ende stehen Sie dann vor einer zerrütteten Ehe, weil ihr Partner der Letzte ist, der erfährt, wie es seit geraumer Zeit wirklich in Ihnen aussieht.
9 Endlich die grosse Liebe
Wenn wir von der grossen Liebe träumen, dann träumen wir, ehrlich gesagt, von Beziehungsshopping. Wir erwarten einen perfekten Partner, der unsere Löcher stopft. Unbewusst läuft da in uns ab : Ein anderer muss etwas Besonderes sein, damit er meine eigenen Mängel ausgleicht. Daran muss eine Beziehung über kurz oder lang scheitern. Genauso irrig ist der Gedanke : "Jetzt heiraten wir, und dann wird alles ganz toll". Leider noch mal Beziehungsmathematik : Je näher mir ein anderer kommt, je näher kommt er auch meinen Ängsten, Schwächen und Verletzungen. Ein weiser Mann hat das einmal so zusammengefasst : " In dem Moment, in den du dich in einem Menschen verliebst, beginnt automatisch der Prozess seiner Verwandlung in einen Frosch". Wagen Sie also lieber ein echtes Abenteuer. Lieben Sie einen Frosch ! Dann können Sie auch endlich entspannt Frosch sein.
10 Es gibt einfach nicht den Richtigen
Sie können als Dauersingle oder Beziehungsshopper bis zum Sankt Nimmerleinstag auf der Suche nach Ihrem Idealpartner umherirren und enttäuscht feststellen, gerade schon wieder nicht Mr Right oder Mrs Perfect getroffen zu haben. Oder Sie gestehen sich ein, dass Sie eine Heidenangst vor echter Nähe und Verletzung haben. Hören Sie auf, zu suchen und dabei ständig das Haar in der Suppe zu finden. Wagen Sie etwas, und entscheiden Sie sich dafür, sich auf einen der Durchschnittsmenschen vor Ihrer Nase einzulassen - auch wenn Sie entdecken, dass Sie es mit einem überaus mittelmässigen und fehlerhaften Wesen zu tun haben. Sie könnten so der Liebe ein grosses Stück näher kommen. Liebe meint dann allerdings so verstaubt anmutende Eigenschaften wie Annahme, Mitgefühl, Verzeihen, Geduld, Klarheit und Offenheit. Das Faszinierende daran ist. Je öfter man sich dafür entscheidet, so zu lieben, desto liebenswerter und einzigartiger wird der andere (kann man nicht verstehen, muss man ausprobieren)
Zehn Wege durch das Dreiecksdilemma
1 Fremdgehen ist das Ende der Beziehung
Nein. Fremdgehen - richtig verstande - macht einen echten Neuanfang möglich. Dazu müssen alle Beteiligten bereit sein, Ihre Rolle in Frage zu stellen und die gemeinsame Wahrheit zu schlucken: In der Dreiecksbeziehung haben alle Beteiligten Angst vor Nähe und echter Bindung. Keiner kommt auf seine Kosten. Alle sind gefangen im Entweder-oder. Und eine Dreieckbeziehung kann nur dann enstehen, wenn die ursprüngliche Zweierbeziehung innerlich ausgehöhlt ist.
2 Wer fremdgeht, hat Schuld
Es braucht meist ein ziemliches Stück Arbeit für ein Paar, um zu erkennen, dass Fremdgehen nicht die Geschichte von einem bösen Übeltäter ist, der seinen Partner hintergeht. Auch wenn es von aussen betrachtet leicht so aussieht. Der Fremdgeher ist nicht schuld. Meist fühlt er sich in der ursprünglichen Beziehung machtlos und sucht draussen nach Annerkennung. Tatsächlich hat er nur oberflächlich betrachtet alle Fäden in der Hand. Erst mal im Dreieck gelandet, hängt er schnell in einer neuen Falle: Seine beiden Partner scheinen immer nur die Hälftedessen zu verkörpern, wonach er sich sehnt. Beim Geliebten findet er Leidenschaft, Lebendigkeit, Leichtigkeit,Seelenverwandschaft. Aber zu Hause, da warten Sicherheit, Kinder, Errinerungen, Vertrauen. Beides im Doppelpack scheint es nicht zu geben. Bleibt er im Versteckspiel, laugt er sich aus. Entscheidet er sich für das eine, fehlt ihm das andere.
3 Der Betrogene ist das Opfer
Wer betrogen wird, muss sich selbst als Erstes, eine Frage stellen. Wie lange habe ich schon keine Lust mehr auf diese Beziehung ? Wie lange fehlt mir schon was ? Denn eine der Grundregeln von Dreiecksbeziehungen lautet : Es gibt immer zwei Arten von Ausstieg - entweder nach innen oder nach aussen. Wenn einer das in der Beziehung Fehlende bei Dritten sucht, dann hat der andere meist innerlich längst dichtgemacht.
4 Der Geliebte hat alles - der Betrogene nichts
Der Geliebte lebt oft einfach nur die andere Seite der Medaille. Auch wenn er scheinbar alles hat, was der Betrogene schon lange vermisst. Er wird von eigenen Partner begehrt, lebt Sex und Leidenschaft mit ihm und bekommt die kostbare freie Zeit. Aber tatsächlich kommt der Geliebte ja auch nicht ganz auf seine Kosten: ihm fehlen Sicherheit und echtes Bekenntniss. Nichts hätte er lieber als die offizielle Position des Betrogenen. Und Vertrauen ? wie soll er sich einen Menschen anvertrauen, der einen anderem Menschen hintergeht ?
5 Der Geliebte ist zu allem bereit
Immer wieder plagt den heimlichen Geliebten die gleiche Sehnsucht : Ich würde alles dafür geben, wenn wir endlich ganz zusammen sein könnten... Wenn er endlich zu Hause auspacken würde.. Aber stimmt das wirklich ? Es gibt viele, die sich immer wieder zu Menschen hingezogen fühlen, die in festen Beziehungen leben und nicht wirklich zu Verfügung stehen: Der andere scheint absolut perfekt, zu den eigenen Idealvorstellungen zu passen - nur leider ist dieser andere nie ganz erreichbar. Dann gibt es auch noch jede Menge Singles, in denen Leben die Beziehung nie mehr bekommen darf als den Status einer heimlichen Affäre ohne Bekenntniss. Der Grund liegt angeblich immer beim anderen, der immer irgendeinen Makel zu haben scheint. So oder so - wer an diesem Punkt zur Konfrontation mit sich selbst bereit ist, wird wahrscheinlich auf handfeste Bindungsangst und eine Tendenz zur Idealisierung und Überfrachtung von Beziehung stossen.
6 Ein Dritter hat unsere Ehe zerstört
Die harte, aber heilsame und zentrale Lektion beim Fremdgehen ist : Der oder die Geliebte bringt genau das in die Beziehung, was beiden Partner aussparen. Stellen sie sich ihre Beziehung wie eine Torte vor : Am Anfang ist sie rund und komplett. Aber mit der Zeit gibt es Verletzungen, Missverständnisse, Bequemlichkeit. Die Dinge klappen nicht mehr so. Der Sex, die Zärtlichkeit, die Gespräche fehlen. Es entstehen Lücken im Kuchen, die gefüllt werden müssen, damit sich die Beziehung wieder rund anfühlt. Entweder fangen die Partner jetzt an, die fehlenden Tortenstücke von innen zu kompensieren. Das heisst : Die Leidenschaft geht in den Beruf, ins Hobby oder die Kinder. Echte Gespräche werden mit der Freundin geführt. Abenteuer mit den Kumpels erlebt. Oder aber das fehlende Tortenstück kommt irgendwann von aussen vorbei. So bitter es klingt - aber oft wird die Beziehung in dem Moment komplett in dem einDritter dazukommt, und das Leben hereinbringt, das sie beiden nicht mehr leben.
7 Nur ein Schlussstrich hilft
Vor allem nicht, wenn sie der Betrogene sind. Dann ist ihre wichtigste, wenn auch ziemmlich herausfordernder Aufgabe. Schauen Sie sich den Mensche, mit dem ihr Partner eine Affäre hat, genau an. Und seien Sie bereit herauszufinden, was dieser Mensch mit ihnen zu tun haben könnte. " wie bitte ? Der Schweinehund ! Die Schlampe? Mit mir ?..." Klar, die normale Reaktion von einem, der erfährt, dass sein Partner ihn betrügt, ist Abwehr. Erlauben Sie sich die ganze Wut. Aber dann gehen Sie voran, und konfrontieren Sie sich mit der Tatsache: Wenn es bei ihnen in der Beziehung, einen Dritten im Bunde gibt, dann zeigt der Dritte ihnen etwas darüber, was Sie nicht mehr leben oder nie gelebt haben.
8 Fremdgehen als Beziehungsmedizin ?
Ja. Wenn beide bereit sind, sich über die Schulfrage hinauszubewegen und sich die eigene unbefriedigende Beziehung anzugucken. Wenn der Betrogene bereit ist, sich mit den eigenen Bedürfnisse zu konfrontieren und sich einzugestehen, dass da ein Dritter all das lebt, wonach er sich sehnt. Und der, der fremdgegangen ist, sollte aufhören, sich in Träume von einer idealen Beziehung mit dem heimlichen Geliebten zu flüchten. Er sollte sich die Frage stellen: Was ist es, was ich in der Begegnung mit diesem Menschen von mir entdeckt oder wiedergefunden habe ? Und wie kann ich mein Lebenso verändern, dass ich diese Qualitäten leben kann ? Der Dritte ist weder der Zerstörer noch der Erlöser. Er kann helfen, die Wahrheit wieder anzuschauen. Eine bewusst verarbeitete Affäre holt ein Paar aus all den starren Normen in denen es sich zu lange eingerichtet hat.
9 Eine Affäre sollte man besser geheim halten
Halten Sie die Affäre auf Dauer geheim, laugen Sie sich aus und unbewusst alle Beteilligten mit. Packen Sie dagegen aus, machen Sie endlich Platz für eine Entwicklung in Ihrem Leben. Mit der Wahrheit konfrontieren Sie die Menschen mit ihren tatsächlichen Bedürfnissen. Das sorgt erst mal für Verletzung und Chaos, aber es ist auch die Chance für einen echten Neuanfang.
10 Welcher ist der richtige Partner für mich ?
Diese Frage bringt Sie nur immer tiefer in die Sackgasse. Es geht nicht um den einen oder den anderen Partner. Denn keiner von beiden kann Ihnen auf Dauer etwas geben, was ihnen fehlt. Mit dem einen Menschen haben Sie nur schon Erfahrungen, wie es wird, wenn Sie sich arrangieren und nicht bereit sind zu persönnlicher Entwicklung. Und mit dem anderen verbindet Sie ihre Sehnsucht nach etwas Neuem, Besserem. Wenn Sie ein neues Leben wollen, geht es darum zu lernen, andere mit ihren Bedürfnisse zu konfrontieren. Es geht darum, in ihrem Leben wieder mehr Raum für Ihre Leidenschaft zu schaffen. Wenn Sie das lernen, wird sich unterwegs von selbst zeigen, wer von beiden bereit ist, sich mit ihnen zu entwickeln und im Leben voranzugehen.
Zehn Wege durch die Krise
1 Krisen sind eine Gefahr für die Beziehung
Durchaus nicht ! Krisen sind die idealen Ausgangspunkte für längst nötige Kurskorrekturen in der Beziehung. Wir müssen Krisen nicht wegmachen und auch nicht vor ihnen wegrennen. Wir müssen sie nur in ihrer Botschaft verstehen. Dann bedeuten sie nicht das Aus, sondern bieten ideale Chancen für die eigene Entwicklung und für eine neue Tiefe in der Partnerschaft
2 Krisen zeigen, dass etwas falsch läuft
Krisen sind gesund. Keine Partnerschaft wächst ohne Krisen. Allein dass wir das akzeptieren, sorgt schon für Entspannung. Lassen Sie los von dem Anspruch, zwei fremde Menschen würden sich eines schönen Tages treffen, verlieben und ab da ganz selbstverständlich zusammenpassen. Die Krise kommt ! Und das ist gut so !
3 Mein Partner ist meine Krise
Sorry! Aber Ihr Partner ist nicht ihre Krise. Ihr Partner ist ihr Spiegel - also ein echtes Hilfsmittel, in dem Sie etwas von sich sehen können. Deshalb fragen Sie sich beim nächsten Mal nicht : Was macht mein Partner gerade wieder Flasch ? Sondern : Was macht das mit mir ? Diese Frage kann ihr Leben radikal verändern. Für Fortgeschrittene gibt es dann die Übung mit dem Schatten : Wenn Sie etwas an ihrem Partner micht mehr ertragen können, dann ist er ihr Schatten. Er lebt genau das was Sie nicht sein möchten oder verurteilen. Sie sind so ordentlich.Und ihr Partner entpuppt sich als echte Schlampe. Sie sind sachlich, ihr Partner verliert sich in Gefühlsduseleien. Sie sind treu, Ihr Partner geht fremd. Das was sie an ihrem Partner am wenigsten wollen, ist genau das, ist genau das, was Sie in ihr System integrieren müssen, um aus der Krise zu kommen. Es geht nicht darum, dass Sie so werden sollen wie ihr Partner. Sondern darum, einen Schritt in die Richtung zu tun, die Sie bisher meiden wollten. Das sorgt für neue Balance in ihrem Leben und für neue Dynamik in ihrer Beziehung.
4 Krisen muss man im Keim ersticken
Bloss nicht ! Wenn es leise anfängt zu knirschen, dann schalten die meisten auf Verdrängung. Krise ? Das darf einfach nicht sein. Aber Vorsicht ! Wenn Sie zu lange wegdrücken und weitermachen, als sei nichts geschehen, türmt sich das Ganze als Ballast auf, bis es dann richtig kracht. Daher lieber schon bei Minikrisen, reagieren und thematisieren.
5 Krisen wollen verstanden werden
Werden Sie zum Krisenversteher. Jede Krise hat ihre Botschaft, die sie daran hindert, irgendetwas in ihrem Leben und in ihrer Beziehung weiterzumachen, wie bisher.Hören Sie auf, sich zu wehren oder andere verantwortlcih zu machen. Schauen Sie lieber hin, und fragen Sie sich: Wovon hält mich die Krise ab ? Wozu zwingt sie mich ? Krisen sind absolut präzise. Wer seine Krise wirklich studiert, wird erkennen, dass sie einen zwingt, sich besser kennen zu lernen, sich über Grenzen zu wagen und sich besser um sich selbst zu kümmern.
6 In Krisen muss man reden
Manchmal ist alles gesagt, und es braucht einen Schnitt. Dann heisst es, von allein loslassen und bewusst allein sein. Allein sein heisst nicht, vor den Problemen auf Tauchstation zu gehen oder Verdrängen durch Aktionismus. Allein sein heisst Abstinenz von Alltagsdrogen. Für Anfänger ein Tag ohne jegliche Ablenkung. Für Fortgeschrittene eine Woche ohne Fernsehen, Internet, Verabredungen. Es einfach mal mit sich selbst aushalten. Kann sich brutal anfühlen. Und für schlagartigen Respekt vor dem Partner sorgen, der all das schon so lange von ihnen mitkriegt, wovor Sie weggerannt sind : Angst, Druck, Selbstzweifel.
7 Scheidung - einziger Weg aus der Krise ?
Das Wundermittel auf dem Höhepunkt einer Beziehungkrise heisst Trennung. Wenn Sie total festgefahren sind, dann geht es vielleicht gerade nicht um Scheidung, sondern es geht um Loslassen. Der Unterschied ? Bei der Scheidung geht es vor allem um Weggehen, um einen Äusseren Kraftakt. Bei der Trennung in der Beziehung geht es vor allem um Disziplin gegen mich selbst. Ich beschäftige mich nicht mehr länger mit dem, was der andere nicht macht. Ich konzentriere mich darauf, was ich brauche, egal, wie der andere sich verhält.
8 Krisen nutzen für den Entzug
Die meisten Beziehungen funktionnieren wie Sucht. Jeder von uns trägt alte, unbewusste Verletzungen in sich. Von Menschen, die uns nahe sind, erwarten wir (ebenso unbewusst), dass sie mit ihrem Verhalten dafür sorgen, dass wir diese Wunden nicht fühlen müssen. Wenn die Beziehung in die Krise gerät, dann meist deshalb, weil mit der Zeit die Dosis nicht mehr ausreicht. Unser Partner macht Fehler, verletzt uns, entzieht sich. Wir bekommen Angst, fühlen uns unbefriedigt oder unter Druck. Unser Rückschluss : Ich brauche meine Droge. Hier fehlt mir was. HIertut was weh. Hier muss ich weg. Der neue Weg : Entzug. Sie bleiben bei ihrem Partner, aber Sie machen die alten Spiele nicht mehr mit. Sie üben sich in Abstinenz. Keinerlei Kontrolle mehr über Ihren Partner ! Das heisst: Sie akzeptieren, dass Sie nicht bestimmen können wie sich ihr Partner verhält. Sie bleiben konsequent bei sich und lernen, neu für sich zu sorgen. Oft dreht sich eine Beziehung dadurch um 180 Grad. Und wenn nicht, haben Sie Entscheidendes für eine neue Beziehung gelernt. Sie werden freier und brauchen einen anderen nicht mehr als Droge.
9 Vorsicht ! Krisen akzeptieren keine Grenzen
Was Sie beim Krisenmanagement wissen müssen: Beziehungen funktionnieren wie Zahnräder. Wenn sich ein Rad in seiner Bewegung verändert, müssen sich alle anderen auch verändern. Wenn Sie ihre Krise ernst nehmen, und aus ihr echte Veränderungen für ihr Leben ableiten, dann bringt das oft Erschütterungen für alle, die Ihnen nahestehen - für die Partner, die Kinder, die Herkunfstfamilien und Freunde -, mit sich. Seien SIe bereit, sich bei Ihren Lieben unbeliebt zu machen.
10 Eine Krise kommt selten allein
Sie haben Ihre Beziehungskrise genutzt ? Neue Kräfte und Talente, neue Ecken und Kanten kommen zum Vorschein ? Soger ein zwiter Frühling mit dem Partner? Achtung ! Wer eine Beziehungskrise zur Entwicklung nutzt, der kann oft auch in anderen Bereichen nicht mehr einfach so weiterfunktionnieren. Wenn Sie anfangen, Fragen an sich selbst zu stellen und diese ehrlich zu beantworten, beginnen sich Prioritäten im Leben zu verändern. Vielleicht müssen Sie begreifen, dass Karriere und Privates gar nicht so getrennt sind, wie Sie immer glaubten. Und schon fordert das Ihre Bereitschaft zur Korrektur an der nächsten Front.. Sie wollten einen Kick ? ein Abenteur ? Wieder Lebendigkeit im Leben ? Freuen Sie sich auf die nächste Krise !

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